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New Street Art: Urbanes Stricken
Der neue Trend am Street-Art Himmel
Bunt eingestrickte Fahrräder, Statuen in ungewöhnlichen Stoffkleidern, Brückenpfeiler, die überdimensionale Hausschuhe tragen… Mit Zufall hat dieses neuartige Phänomen nur wenig zu tun. Der Trend heißt “Yarnbombing” (engl. “yarn” für “Garn”) oder auch “Urban Knitting” (engl. “knitting” für “stricken”). Durch die globale Vernetzung im 21. Jahrhundert hat sich das urbane Stricken in Windeseile auf dem gesamten Erdball verteilt, sodass heute schwer zu sagen ist, wo der Trend tatsächlich seinen Ursprung fand. Eine initiatorenähnliche Rolle wird in zahlreichen Internetforen immer wieder der Texanerin Magda Sayeg zugeschrieben. Verbindlich festhalten lässt sich lediglich, dass sie derart erfolgreich zu sein scheint, dass sie es sich leisten kann Presseanfragen konsequent zu ignorieren.

Wie bei Trends üblich, entwickeln sie sich weiter und schließlich werden aus diesen Weiterentwicklungen neue Trends. Währenddessen Urban Knitting klassische Street-Art ist, die nicht zwingend politisch motiviert ist, verfolgt die Weiterentwicklung “Guerilla Knitting” konsequent politische Ziele. Ein anonymes Mitglied der Guerilla-Knitting Gruppe “Fluffy on Tour” hat uns Rede und Antwort gestanden.
Ein Gespräch über alternative Protestformen, skurrile Erlebnisse und das Verhältnis von Kunst und Protest.
Du bist Mitglied einer Strick-Guerilla… Was hat man sich darunter vorzustellen?
Der Begriff „Guerilla“ ist dieVerkleinerungsform des spanischen „guerra“ („Krieg“). Beschrieben wird damit auch eine bestimmte militärische Taktik, welche wir nun mit dem Stricken verbinden! Wir sind eine selbstständige Gruppe, außerhalb unserer „Einsätze“ nicht als Guerilla-StrickerInnen zu erkennen, werden häufig von vielen Bürgern und Bürgerinnen unterstützt und wir sind mobil, sowie flexibel. Ein weiteres Merkmal dieser Taktik ist übrigens die Effektivität! Wir sind eine Mitmach-Strickguerillagruppe! Wir transportieren klare Botschaften (an jedem Banner hängt ein Infozettel) und nutzen das Handarbeiten als Intervention. Wir stricken gegen Atomkraft auf der ganzen Welt und regional nutzen wir das Stricken als Intervention.
Ihr strickt um etwas anzuprangern. Warum habt ihr diese Form des Protestes gewählt?
Graffiti hat seine überraschende, irritierende Wirkung verloren und wird schnell negativ wahrgenommen, da es häufig Eigentum zerstört. Wolle aber löst positive Assoziationen wie Wärme, Geborgenheit und Gemütlichkeit aus. Aus diesem Grund hinterlassen Objekte von ”Fluffy on tour” bei dem Ein oder Anderen sogar ein Schmunzeln.
Wo kommt das Guerilla-Knitting her? Gibt es Vorbilder?
Es ist schwierig, eine Jahreszahl, eine Person, oder eine Gruppe dafür zu nennen, da sich diese Bewegung aus verschiedenen Vorläufern des aktivistischen Strickens entwickelte! Im Jahre 2002 benutzte z.B. der Calgary`s Revolutionary Knitting Circle beim Welt-Erdöl-Kongress ein gestricktes Netz, zum aufhalten eines Militärkonvois.
Welche Rolle spielt Kunst und schönes Aussehen der gestrickten Werke bei euren Aktionen?
Politische und künstlerische Aspekte sind bei uns gleichwertig!
Was war die bisher beste/erfolgreichste Aktion?
Die beste Aktion war das Umstricken der 24 Uhren im Düsseldorfer Zeitpark.
Was sind zukünftige Projekte?
Es gibt verschiedene neue Projekte, über die ich jedoch aus verständlichen Gründen nichts sagen kann, wer jedoch mitstricken will, oder Ideen hat, wofür/wogegen wir stricken können, kann sich per Email (fluffy-on-tour@gmx.de) bei uns melden!
Schon mal Ärger bekommen? Wie lange hängen deine Werke für gewöhnlich?
Wir wurden schonmal gebeten, die Wollobjekte wieder abzuhängen, aber richtig Ärger haben wir noch nie bekommen. Allerdings mag das auch an den Uhrzeiten liegen, wenn wir die Sachen aufhängen (sehr früh ), da sind nicht viele Leute unterwegs.
Dein skurrilstes Guerilla-Knitting Erlebnis?
Ich und „Michael Knittermeier“ befestigten gerade ein Wollobjekt gegen die Schließung eines Waffelladens in der Düsseldorfer Altstadt, als eine Frau zielstrebig auf uns zu kam. Wir dachten, nun würden wir Ärger bekommen, aber sie fragte nur nach dem Burgplatz und ging dann wieder. Fast so, als wäre es ganz normal, dass Laternen früh morgens eingestrickt werden!
Habt ihr Kunstprojekte geplant, in etwa wie Magda Sayeg?
Ich habe schon mal zusammen mit anderen Studenten ein „Strickgraffiti macht Schule“ Projekt veranstaltet. Vielleicht werde ich so etwas nun häufiger machen. Wichtig für uns ist jedoch, dass wir unser Projekt nicht kommerzialisieren wollen!




