Der Meister des Klebebands: Mark Jenkins in Berlin

Lebendige Skulpturen

Manche Erkenntnisse kommen beiläufig. Bei Mark Jenkins war das ähnlich. Heute ist er einer der bekanntesten Street-Artists überhaupt, aber als er 2003 seine erste Skulptur in der Öffentlichkeit zeigte, war ihm noch gar nicht recht bewusst, was er da tat: Mark hatte ein gigantisches Spermium aus Klebeband gefertigt und wollte es fotografieren. Da es zu groß war um es in seinem Appartement abzulichten nahm er es mit nach draußen und hatte dort die Idee, es im Meer schwimmen zu lassen. Die Reaktionen der Passanten brachten ihn letztlich auf diese einmalige Idee. Seitdem erwachen in zahlreichen Fußgängerzonen seine Figuren zum Leben, allein durch die Interaktion mit den Passanten

Seoul © Mark Jenkins

Mark Jenkins derzeit in Berlin zu erleben

Mark weilt derzeit für eine Ausstellung in Berlin (19.01-26.02.2012, „Gestalten Space“, Raum für Design, Kunst und visuelle Kultur). Viel Zeit hat er also gerade nicht, für ein kurzes, humorvolles Interview hat er sich aber die Zeit genommen.


Mark, du arbeitest gerade in Berlin. Viele denken Berlin ist momentan ein weltweites Zentrum für Kunst und Kultur. Was denkst du?

Das mag schon sein. Ich bin aber noch nicht lang genug hier um das beurteilen zu können.

Du kreierst Skulpturen aus unterschiedlichen Klebeband-Arten. Was ist die Geschichte dahinter, wann hattest du die Idee dazu?

Ich hatte die Idee das erste Mal, als ich als Kind mit Klebeband gespielt hatte um Abdrücke von Gegenständen zu machen. 25 Jahre später habe ich die Idee dann wieder aufgegriffen. Es ist jedoch schwer zu sagen, warum jemand Ideen hat. Das ist ein großes Mysterium, ganz wie der Urknall.

Washington D.C. © Mark Jenkins


Die Menschen sind daran gewöhnt ins Museum zu gehen um Kunst zu sehen. Du stellst deine Kunst meist direkt auf der Straße aus. Warum?

Das ist sehr einfach: Es ist kein langer Weg und du musst niemanden um Erlaubnis fragen. Es ist ein langer, aufwändiger Prozess um seine eigenen Werke in ein Museum zu bekommen, es sei denn du bist ein Schleimer.

Was fühlst du, wenn die Straßenreinigung oder Passanten Werke von dir mitnehmen, für die du lange gebraucht hattest?

Naja, ich nehme dann mal an sie tun einfach ihren Job wenn sie von der Straßenreinigung sind. Aber wenn es ein Passant ist, würde ich doch stark hoffen, er ist passionierter Kunstsammler oder hat eine Geisteskrankheit, die für seinen Wunsch das Werk zu besitzen verantwortlich ist. Hauptsache es ist keine dieser normal-langweiligen Personen, die damit nichts spezielles anstellen wollen außer es in der Wohnung oder eigenen Bar zu haben.

Storker Project © Mark Jenkins

Wie es weiter geht? Das und mehr Bilder auf der zweiten Seite!Was ist das kurioseste, das dir bei deiner Arbeit auf der Straße bisher passiert ist?

Ich begann Rückenschmerzen zu haben und es stellte sich dann als Nierenstein heraus. Ganz schön gruselig.

Ab dem 19.01 zeigst du einige deiner Werke in den Berliner “Gestalten”. Was können wir erwarten?

Schlechte Frage! Das würde ja den ganzen Spaß vorweg nehmen!! (lacht)

Stell dir vor, du hättest unbegrenzt Geld. Welches Projekt würde der Street-Artist Mark Jenkins realisieren?

Ich würde einen langen Urlaub auf Tahiti realisieren. Oder vielleicht Mexiko. Vielleicht würde ich auch eine Skulptur machen, die mit abhängen kann, damit meine Kunst auch ein bisschen Urlaub bekommt.

Malmö © Mark Jenkins