Gemälde ohne Pinsel & ohne Farbe! Tape Art von Max Zorn
Laternenkunst: Max Zorn
Max Zorn hat in den letzten Wochen für ordentlich Aufsehen gesorgt: Der Niederländer mit dem deutsch klingenden Namen fertigt in einem aufwändigen Prozess aus gewöhnlichem Paketklebeband Kunstwerke, die einer Sepia-Fotografie gleichen. Hat er eine Arbeit fertig gestellt, klettert er an Laternenmasten hinauf und befestigt sein Werk am Lampenschirm. Warum Max Zorn das macht und was ihm bei der durchaus gefährlichen Arbeit schon alles passiert ist, erzählt er uns exklusiv im Interview.
Max, wie gehts dir? Wovon halten wir dich gerade ab?
Mir geht’s ausgezeichnet, allerdings war ich noch nie beschäftigter als in diesen Tagen. Vor ein paar Wochen startete ein „normaler“ Tag gegen 10 Uhr mit einer Tasse Kaffee, etwas Taping, einer Stunde Facebook, wieder Taping und dann Pläne für die Nacht schmieden. Jetzt stehe ich so früh auf wie möglich, mache ein Tape-Bild nach dem anderen, versuche hunderte E-Mails zu beantworten, Projekte zu sortieren, vernünftig zu sein und scheitere daran regelmäßig.
Du stellst aus Paketklebeband faszinierende Kunst her. Was ist die Geschichte hinter dieser Idee? Wann hattest du sie?
Die Idee kam spontan, als ich entlang der Amsterdamer Kanäle gejoggt bin. Ich bin an all den wunderschönen alten Straßenlaternen vorbeigelaufen und dachte das wäre ein großartiger Ort um Kunst auszustellen, wenn man nur das richtige Medium dafür hätte. Daher experimentierte ich dann mit verschiedenen Materialien. Als ich dann die Leuchtfähigkeiten des Materials erkannt hatte, fokussierte ich mich mehr auf die Arbeit mit Tape … und bin offenbar dabei hängengeblieben.
Menschen sind daran gewöhnt Kunst im Museum zu sehen. Du aber stellst deine Kunst direkt auf der Straße aus. Warum?
Wenn wir uns ein Kunstwerk ansehen, sehen wir für gewöhnlich etwas, das andere Menschen für uns ausgewählten. Normalerweise wird das von Museen, Galerien, Kunstsammlern oder Kritikern gemacht. Weil diese Menschen Experten sind (oder zumindest denken wir das), glauben wir ihrer Meinung darüber was beachtenswert ist. Nicht zwingend eine schlechte Sache, aber es beeinflusst unsere Kunst-Wahrnehmung. Letztlich wird dieses immense Universum an Kunst dort draußen durch eine kleine Elite gefiltert, die nur eine Handvoll Namen übrig lässt. Straßenkunst missachtet einfach diesen Filter. Jeder kann sprayen, kleben oder etwas an Wände, auf Straßen oder Lampen stricken. Das Publikum entscheidet selbst, ob es etwas mag oder nicht.
Wie wählst du den Ort aus, an dem du deine Kunst platzierst?
Ich habe normalerweise mindestens eine kleine Rolle Klebeband bei mir wenn ich reise und wenn ich eine coole Laterne sehe, kann ich meistens nicht widerstehen. Es steckt keine große Strategie dahinter. Manchmal inspirieren mich Orte für ein bestimmtes Motiv und dann möchte ich eine kleine Erinnerung hinterlassen.
Was ist der schwierigste Teil deiner Arbeit?
Kürzlich habe ich meine Fingernägel zu kurz geschnitten und bekam das Band nicht mehr vom Glas ab. Noch dazu schneide ich mich andauernd mit dem Skalpell. Das sind Dinge die mich manchmal etwas zurückwerfen. Wirklich schwierig allerdings ist das Motiv an sich. Ich forsche da richtig indem ich Filme schaue oder alte Postkarten durchstöbere bis ich fertig bin um sie in die Praxis umzusetzen. Wenn ich dann mal ein Motiv gefunden habe, klappt es auch irgendwie.
Dein kuriosestes Erlebnis?
Naja, meistens arbeite ich zuhause. Außer dass vielleicht mein Mitbewohner nackt vorbeiläuft, weil er nicht wusste dass ich zuhause bin oder eine Katze die versucht das Klebeband von meinen Bildern abzukratzen, passiert eigentlich nicht viel. Das ist anders, wenn ich die Bilder dann aufhänge. Ich habe ein paar Narben an meinen Beinen vom Runterrutschen an den Laternenmasten, hatte schon einen gebrochenen Knöchel und auch hier und da ein paar Versteckspiele mit der Polizei zu überstehen. Diese Art der Kunst hat also eine langweilige und eine spannende Seite denke ich.
Wo und wie bekommst du Inspiration für neue Themen und Motive?
Manchmal aus dem Film Noir, manchmal ist es einfach ein altes Poster oder eine Postkarte die mich inspiriert. Es kann auch ein interessantes Gesicht oder eine eigene Stimmung sein. Es ist schwer diesen Inspirations-Moment zu fassen, ich bin einfach glücklich, dass er ab und zu auftaucht.






