Produktdesign auf der Höhe der Zeit
Eine Vielzahl von Alltagsproblemen wurde in den letzten Jahrhunderten durch innovative Ideen gelöst. Allerdings steigt das Optimierungspotential des täglichen Lebens in den letzten Jahrzehnten rapide an, vor allem durch die rasante technische Entwicklung. Manche Probleme werden durch spontane Eingebungen einer einzelnen Person zufällig gelöst. Daneben gibt es aber auch Menschen, die sich hauptberuflich der Lösung alltäglicher Problematiken verschrieben haben. Arman Emami ist so jemand und das bereits erfolgreich seit vielen Jahren. In seinem Beruf ist er Erfinder, Designer und Künstler in einem.
Herr Emami, Sie sind Produktdesigner. Wie wird man das?
Die Leidenschaft etwas Neues zu schaffen, war schon immer da. Es fiel mir extrem leicht und vielleicht auch gerade deshalb habe ich großen Spaß daran. Aber wie wird man nun Produktdesigner? Als Produktdesigner sollte man ein bisschen Techniker, Mathematiker, Künstler, Marketingfachmann, Handwerker, Tüftler und Erfinder sein. Einiges lässt sich lernen, anderes nicht. Dazu kommt eine große Portion Sinn für Ästhetik. Aber am wichtigsten ist, nie aufzuhören Kind zu sein. Kinder beobachten ohne Vorurteile, haben keine Ängste und sind extrem neugierig.
War ihr persönlicher Weg eher Zufall oder Passion?
Ich glaube generell nicht an Zufälle. Alles was passiert unterliegt dem Prinzip Ursache und Wirkung. Nur manchmal sind die Ursachen so komplex, dass uns die Phänomene zufällig erscheinen. Stellen Sie sich Wasser vor, das von einem Berg herunter fließt. Der Weg des Wassers ist automatisch der Weg des geringsten Widerstands. Das ist kein zufälliger Weg. Sie hätten sogar mit einem komplexen Simulationsprogramm den exakten Weg berechnen können, wenn Sie dazu alle nötigen Informationen hätten. Der Weg, den man im Leben nimmt, ist also nicht dem Zufall überlassen.
Von was halten wir Sie gerade ab? Wie sieht ein normaler Arbeitstag in ihrem Leben aus?
Die Arbeit des Produktdesigners hat keine bestimmte Uhrzeit… Manchmal kommen die besten Ideen nachts, manchmal beim Geschirrspülen. Gute Ideen liegen auf der Straße. Man findet sie auch im Bus, auf dem Frühstückstisch – überall. Man muss nur lernen, sie zu erkennen. Wichtig ist, die Probleme des Alltags nicht zu ignorieren, sondern zu lösen.
Es heißt immer hinter jedem Produkt steckt auch eine Geschichte. Welche Geschichte steckt hinter der „handycan“?
Die Menge der Dosen nach Partys passt nie in den Mülleimer, was tun? Zusammenfalten war schwer, daher kam die Idee.
2012 hat gerade erst begonnen. Was darf man von Ihnen erwarten dieses Jahr?
Ich arbeite gerade an einem Buch, in dem relevante Aspekte des Produktdesigns analysiert werden. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr damit fertig werden. Fragen Sie mich jetzt aber nicht wie das Buch heißen wird… Ich habe
zwar ein paar Ideen im Kopf, möchte mich aber erst entscheiden, wenn das Buch zu Ende geschrieben ist.
An was denken Sie jeweils bei den Begriffen ‘Fortschritt’, ‘Design’ und ‘Umweltschutz’?
An eine große Schnittmenge! Die Verantwortung der Produktdesigner gegenüber der Umwelt ist groß. Gerade bei hohen Stückzahlen summieren sich kleinste Mengen zu beachtlichen Zahlen. Zehn Gramm unnötig verwendetes Material macht bei einer Serienproduktion von 100.000 Stück einen Materialverlust von 1 t aus! Intelligentes Produktdesign berücksichtigt die Themen Energie und Materialaufwand. Die Aussage, dass heutzutage jede Menge Müll produziert wird, ist richtig. Leider sogar in zweifacher Hinsicht: Zum einen sind viele Geschäfte voll von Billig-Produkten, bei denen das Design mit eingespart wurde und die oft schon nach kurzem Gebrauch in der Mülltonne landen. Zum anderen gibt es teure Produkte, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst in Müll verwandeln – schlicht und einfach, weil sie plötzlich nicht mehr funktionieren.
Welches Projekt werden Sie wohl niemals umsetzen?
Robert De Niro sagte mal, er könne sogar ein Schnitzel spielen… (lacht)
Ich glaube, als Produktdesigner ist jedes Produkt eine neue Herausforderung. Es gibt aber auch Grenzen. Eine Interkontinentalrakete mit atomarem Sprengkopf würde ich sicherlich nicht gestalten.
In welcher Beziehung stehen aus Ihrer Sicht die Begriffe ‘Kunst’ und ‘Design’?
Design und Kunst sind sehr verwandt und doch so unterschiedlich. Das ist wie Sex und Liebe. Das eine geht nicht ohne das andere, aber manchmal eben doch. Beim Design gibt es viele Regeln und Einschränkungen und das widerspricht eigentlich dem Prinzip der Kunst. Man sagt zwar, „nach allen Regeln der Kunst“, aber ich bin der Meinung, dass es für Kunst keine Regeln geben sollte. Für Design schon. Es ist ein schmaler Grat.




