Die perfekte Illusion: Pop-Out Art

Perfektes Spiel mit räumlicher Wahrnehmung

Der flüchtige Blick  auf ein Kunstwerk von Alexa Meade scheint sofort zu verraten, worum es sich handelt: Ein Bild, das man in dieser Form an der Wand eines guten Museums erwarten würde. Man könnte sich höchstens noch darüber streiten, was das Bild auszeichnet und aus welcher Zeit es wohl stammt, aber Gefallen daran findet sich wohl leicht: Kräftige Farben, harte Konturen und eine relativ grobe Technik scheint die Künstlerin auszuzeichnen. Doch der erste, flüchtige Blick täuscht. Ein jeder Betrachter ist vollkommen fasziniert, wenn er bemerkt sich einer Illusion, einer optischen Täuschung hingegeben zu haben. Es handelt sich nämlich keineswegs um ein zweidimensionales Bild aus dem Museum, sondern um einen real existierenden Menschen. Dieser wurde derart aufwändig bemalt, sodass er den Eindruck erweckt, sein eigenes, stilisiertes Porträt zu sein.

Ebenso wie der chinesische Künstler Liu Bolin, der sich so bemalt, dass er in seiner Umgebung zu verschwinden scheint, hat Alexa Meade eine besondere Gabe mit der räumlichen Wahrnehmung der Menschen zu spielen. Stellt man sich den Entstehungsprozess eines solchen Werkes vor, würde von einer peniblen Vorausplanung ausgehen, um den gewünschten 2D Effekt zu erzielen. Dem ist jedoch nicht so: Alexa Meades Gabe ermöglicht ihr den Effekt aus dem eigenen Kopf heraus zu reproduzieren. Manchmal schießt sie zu Beginn von ihren Modellen zwar Fotos, um ihre anfänglichen Gedanken festzuhalten, meist malt sie aber stundenlang aus dem Gedächtnis.

Spectacle © Alexa Meade


Wie funktioniert das?

Die Schwierigkeiten, die sie dabei zu bewältigen hat sind vielfältig und machen die geleistete Arbeit noch bewundernswerter: Manche Arbeiten dauern über zehn Stunden, was das Modell den äußeren Gegebenheiten wie z.B. Kälte in besonderem Maße aussetzt. Noch dazu ist die von ihr verwendete Acrylfarbe zwar speziell hautverträglich, jedoch trocknet sie durch die hohe Hauttemperatur wesentlich schneller als beim Anfertigen eines Bildes auf Leinwand. Jeder noch so kleine Pinselstrich muss daher sofort perfekt sitzen. Doch wie schafft sie es, aus dem Gedächtnis diesen täuschend echten Effekt zu erzeugen?

Um die Täuschung zu perfektionieren, integriert Alexa Meade nicht selten ihr Modell in eine Umgebung, sodass die Person selbst mit dem Hintergrund zu verschmelzen scheint. Wie sie das macht ist im Einzelnen nur schwer auszumachen. Generell malt sie aber nicht einfach bloß Gesichter an, sondern sie gestaltet mit den menschlichen Modellen vollkommen neue Werke und Motive. Schatten und Lichtverläufe werden dabei intensiver, die echten Schatten unter der Farbe versteckt und der zum Kunstwerk gehörige Schattenwurf imitiert. Dazu kommen noch Feinheiten, wie zum Beispiel das Bemalen der Zähne.

Blueprint © Alexa Meade


Die Idee stammt aus frühen Kindheitstagen

Alexa Meades Werdegang ist ebenso ungewöhnlich wie ihre Kunst: Würde man bei diesen Fähigkeiten ein Kunststudium erwarten, so hat sie tatsächlich Politikwissenschaften studiert und ist nur hobbymäßig im Keller ihrer eigenen Kunstform nachgegangen. Seit gut drei Jahren widmet sie sich Vollzeit der Kunst, die Grundidee hatte sie bereits in der frühen Kindheit: „Ich war so fasziniert von den Schatten von Bäumen, dass ich begann sie mit schwarzer Farbe auszumalen. Ich habe einfach das Gras angemalt. Danach habe ich mehr und mehr Dinge angemalt und daraus hat sich das entwickelt, was es heute ist.“

Die Welt wäre um eine Attraktion ärmer, hätte Alexa Meade diese Erfahrung nicht gemacht.

Die in den USA arbeitende Künstlerin wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr für eine Ausstellung nach Deutschland kommen. Genaueres steht noch nicht fest, für Vorfreude dürfte aber bereits jetzt gesorgt sein.

 Alexa Meade bei der Arbeit zu "Spectacle"