Faces in Places

“Faces in Places” - ein Phänomen

Es gibt sie noch, diese alles verändernden Momente. Zugegeben, eine große Veränderung ist das nun Folgende nicht, jedoch eine äußerst spaßige. Für Familien könnte es auf langen Autofahrten das „Ich sehe etwas, das du nicht siehst“-Spiel ersetzen: Dem Londoner Jody Smith fiel auf, dass sich in vielen Gegenständen, landschaftlichen Strukturen oder Häusern Gesichter verstecken. Er gründete „Faces in Places“. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die kleine Idee rasant, mittlerweile ist die Fotografen-Community der Gesichter-Suchenden auf knapp 6.000 angewachsen und Jody hat ein Buch mit den besten Bildern herausgebracht. In einem Gespräch erklärt er uns, wie es zu all dem kam.


Was steckt hinter der Idee zu “Faces in Places”?

Ich habe immer schon Gesichter in Dingen gefunden, mir aber nie die Mühe gemacht, das fotografisch festzuhalten. Vor ein paar Jahren hatte ich mir dann ein Jahr Auszeit genommen um zu Reisen. Ich war also das erste mal mit einer Kamera ausgestattet, egal wo ich war. Ich habe dann angefangen Fotos zu schießen von Gesichtern in leblosen Objekten. Diese Bilder lud ich dann bei flickr hoch, neben meinen Urlaubsbildern.
Ich hab dann schnell gemerkt, dass ich nicht die einzige war, die diese Gesichtsbilder machte, ich gründete eine flickr-Gruppe und lud andere dazu ein, ihre Bilder zu teilen. Die Popularität der Gruppe stieg rasant an, weswegen ich mich entschied jeweils das beste Bild des Tages in einem Blog zu posten. Der „Faces in Places“-Blog ist also eine Art Filter für die besten Bilder der flickr-Seite.

Warum denkst du, finden Menschen Gesichter in Gegenständen?

Jeder tut es: Angefangen von einem Kind, dass ein Gesicht in einer Wolke erkennt bis hin zum “Mann im Mond”. Wir können gar nichts dagegen tun. Menschen sind darauf programmiert Gesichter zu erkennen. Ich bin jedes mal aufs Neue überrascht von der Vielzahl der E-Mails die mich erreichen in denen die Menschen sagen: „Ich dachte ich bin die einzige Person die Gesichter in Gegenständen entdeckt“.


Du hast ein Buch herausgegeben, wie kam es dazu?

„Faces in Places“ wurdebekannt und es dauerte nicht lange, bis Menschen versuchten davon zu provitieren. Eine versuchte einige der Bilder nachzubilden ohne auf die Originale zu verweisen. Ein Fotograf aus unserer Community erzählte mir, dass sich ein Verlag bei ihm gemeldet hatte, der ein nicht autorisiertes „Faces in Places“ Buch plante. Das hat mich dann angetrieben ein offizielles Buch herauszubringen. Ich fand es einfach nicht fair, dass ein Verlag plante die Idee und Bilder anderer Leute in einem schnellen Geschäft auszunutzen. „Faces in Places“ war immer ein Spaß-, ein „Feel-Good-Projekt“, es fühlte sich also richtig an, dass dieses Buch Geld für einen guten Zweck (Hope for Children International) einbringen konnte.


Kaufst oder suchst du speziell nach Produkten mit einem Gesicht?

Nein, normalerweise stolpere ich immer über diese Gegenstände. Ich kenne aber ein paar Fotografen, die sehr viel Zeit mit der Jagd nach diesen Motiven verbringen.

http://www.flickr.com/photos/44282411@N04/

Jody, vielen Dank für das Gespräch.

Der Meister des Klebebands: Mark Jenkins in Berlin

Lebendige Skulpturen

Manche Erkenntnisse kommen beiläufig. Bei Mark Jenkins war das ähnlich. Heute ist er einer der bekanntesten Street-Artists überhaupt, aber als er 2003 seine erste Skulptur in der Öffentlichkeit zeigte, war ihm noch gar nicht recht bewusst, was er da tat: Mark hatte ein gigantisches Spermium aus Klebeband gefertigt und wollte es fotografieren. Da es zu groß war um es in seinem Appartement abzulichten nahm er es mit nach draußen und hatte dort die Idee, es im Meer schwimmen zu lassen. Die Reaktionen der Passanten brachten ihn letztlich auf diese einmalige Idee. Seitdem erwachen in zahlreichen Fußgängerzonen seine Figuren zum Leben, allein durch die Interaktion mit den Passanten

Seoul © Mark Jenkins

Mark Jenkins derzeit in Berlin zu erleben

Mark weilt derzeit für eine Ausstellung in Berlin (19.01-26.02.2012, „Gestalten Space“, Raum für Design, Kunst und visuelle Kultur). Viel Zeit hat er also gerade nicht, für ein kurzes, humorvolles Interview hat er sich aber die Zeit genommen.


Mark, du arbeitest gerade in Berlin. Viele denken Berlin ist momentan ein weltweites Zentrum für Kunst und Kultur. Was denkst du?

Das mag schon sein. Ich bin aber noch nicht lang genug hier um das beurteilen zu können.

Du kreierst Skulpturen aus unterschiedlichen Klebeband-Arten. Was ist die Geschichte dahinter, wann hattest du die Idee dazu?

Ich hatte die Idee das erste Mal, als ich als Kind mit Klebeband gespielt hatte um Abdrücke von Gegenständen zu machen. 25 Jahre später habe ich die Idee dann wieder aufgegriffen. Es ist jedoch schwer zu sagen, warum jemand Ideen hat. Das ist ein großes Mysterium, ganz wie der Urknall.

Washington D.C. © Mark Jenkins


Die Menschen sind daran gewöhnt ins Museum zu gehen um Kunst zu sehen. Du stellst deine Kunst meist direkt auf der Straße aus. Warum?

Das ist sehr einfach: Es ist kein langer Weg und du musst niemanden um Erlaubnis fragen. Es ist ein langer, aufwändiger Prozess um seine eigenen Werke in ein Museum zu bekommen, es sei denn du bist ein Schleimer.

Was fühlst du, wenn die Straßenreinigung oder Passanten Werke von dir mitnehmen, für die du lange gebraucht hattest?

Naja, ich nehme dann mal an sie tun einfach ihren Job wenn sie von der Straßenreinigung sind. Aber wenn es ein Passant ist, würde ich doch stark hoffen, er ist passionierter Kunstsammler oder hat eine Geisteskrankheit, die für seinen Wunsch das Werk zu besitzen verantwortlich ist. Hauptsache es ist keine dieser normal-langweiligen Personen, die damit nichts spezielles anstellen wollen außer es in der Wohnung oder eigenen Bar zu haben.

Storker Project © Mark Jenkins

Wie es weiter geht? Das und mehr Bilder auf der zweiten Seite!Was ist das kurioseste, das dir bei deiner Arbeit auf der Straße bisher passiert ist?

Ich begann Rückenschmerzen zu haben und es stellte sich dann als Nierenstein heraus. Ganz schön gruselig.

Ab dem 19.01 zeigst du einige deiner Werke in den Berliner “Gestalten”. Was können wir erwarten?

Schlechte Frage! Das würde ja den ganzen Spaß vorweg nehmen!! (lacht)

Stell dir vor, du hättest unbegrenzt Geld. Welches Projekt würde der Street-Artist Mark Jenkins realisieren?

Ich würde einen langen Urlaub auf Tahiti realisieren. Oder vielleicht Mexiko. Vielleicht würde ich auch eine Skulptur machen, die mit abhängen kann, damit meine Kunst auch ein bisschen Urlaub bekommt.

Malmö © Mark Jenkins

Food Styling

Food Styling: auf das Foto kommt es an!

Food Styling dient als Oberbegriff für die Lebensmittelherstellung, -präparierung und –verfeinerung und findet vor allem in der Werbeindustrie Verwendung. Dazu dient es auch dem Verpackungsdesign. Durch das Food Styling soll dem Endverbraucher, dem Konsumenten, ein beworbenes Lebensmittel durch eine ästhetisch objektive Verfeinerung schmackhaft gemacht werden, um den Konsumenten zum Kauf des selbigen zu animieren. Dabei steht die Authentizität des Lebensmittels ebenso im Vordergrund wie dessen Eigenarten, damit die Konsumenten sich nach Kauf und Genuss des beworbenen Lebensmittels nicht getäuscht fühlen.


Eine Nische: weltweit gibt es nur ca. 300 Food Stylisten

Dies perfekt umzusetzen ist die Aufgabe eines Foodstylisten. Derzeit gibt es weltweit rund 300 Foodstylisten, die zudem meist aus der Koch- oder Konditorbranche kommen. Wichtig für Foodstyler ist die Gabe, den aktuellen Zeitgeschmack der Zielgruppe zu treffen, der Spruch „Das Auge isst mit“ erfährt in der Food-Styling-Branche eine große Daseinsberechtigung. Dabei gerät das eigene Empfinden von lecker und ansprechend oftmals in den Hintergrund und der Fokus ist auf den aktuellen gesellschaftlichen Trend in Sachen Lebensmittel und deren Präsentation gelegt.

Medien bestimmen gesellschaftliche Erwartungshaltung

Das Food Styling findet seinen Ursprung im gesellschaftlichen Wandel von einer Industriegesellschaft zu einer Creative Society in der westlichen Welt Ende der 1990-er Jahre. Die Creative Society ernährt sich spontan, individualisiert, situativ und transitiv. Diese Ernährungsweise ruft natürlich die Werbeindustrie und die Lebensmittelhersteller auf den Plan, so dass das Food Styling in der Creative Society für das Bewerben von Lebensmitteln mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Durch die Tatsache, dass die Lebensmittelhersteller gemeinsam mit den Medien die Erwartungshaltung der Konsumenten in großem Maße mitbestimmen, liegt es natürlich in deren Interesse, ein Idealbild ihrer Lebensmittel zu schaffen. Dies funktioniert ausschließlich durch den Einsatz von perfekten Lebensmitteln im Zusammenspiel mit Food-Styling-Maßnahmen.


Hersteller brauchen die perfekte Präsentation

Lebensmittelhersteller arbeiten bei sämtlichen Werbemaßnahmen, gleich ob Lebensmittelverpackungen, TV-Werbespots, Werbeanzeigen in Printmedien, Kochbüchern oder Serviervorschlägen grundsätzlich immer mit Foodstylisten zusammen. Diese sorgen für eine perfekte Präsentation des beworbenen Lebensmittels entsprechend des aktuell vorherrschenden gesellschaftlichen Trends. Dabei bedienen sie sich neben verschiedenen Beleuchtungs- und Anrichtungsmethoden des Produktes, Materialien, die auf den ersten Blick rein gar nichts mit dem beworbenen Lebensmittel zu tun haben.


Die kleinen Helfer des Food Stylings

Hierzu gehören neben Farben, auch Glycerin, Gummi, Holz, Wachs oder Polystyrol. All dies dient der perfekten Darstellung des Lebensmittels vor einer Foto- oder Filmkamera. Food Styling setzt sich in den Köpfen der Konsumenten fest und führt somit zu einer immer weiter perfektionierten Erwartungshaltung der damit konfrontierten Gesellschaft. Insgesamt ist das Food Styling nicht nur für die Lebensmittelhersteller wichtig, sondern es führt ebenso zu einer visuellen als auch kulinarischen Befriedigung der heutigen Creative Society.

Water calligraphy: Nicholas Hanna schreibt für die Vergänglichkeit

Wasserkalligraphie: die Idee

Nicholas Hanna lebt bereits seit 3 Jahren in Chinas Hauptstadt Peking. Der Künstler beobachtete eines Tages in einem Park ein merkwürdig anmutendes Hobby einiger Chinesen: Wasserkalligraphie. Dabei werden mit Wasser Botschaften mit einem großen Pinsel auf den trockenen Boden geschrieben, die kurze Zeit später verdampfen und für immer verloren sind. Nicholas Hanna wurde sich spätestens dort der Schönheit der chinesischen Schriftzeichen bewusst und hatte eine innovative Idee. Er verband die Schönheit des asiatischen Hobbies mit einer westlich-technologischen Herangehensweise. Heraus kam das „Water Calligraphy Device“.

Nicholas Hanna und sein "Water Calligraphy" Fahrrad © Mathias Magg


Nicholas, du arbeitest derzeit in China. Viele chinesische Künstler versuchen aus China zu flüchten. Du hast dich entschieden dort zu leben und zu arbeiten. Warum?

Ursprünglich bin ich nach China gezogen, weil ich nach Arbeit als Architekt gesucht hatte. Ich sammelte dann einige Erfahrung in China, die mich dazu brachten meine Ziele zu ändern und Projekte anzugehen die für mich persönlich interessanter waren.

Was sind die Unterschiede wenn du die künstlerische Arbeit in Deutschland mit der in den USA vergleichst?

Ich weiß nicht einmal wo ich anfangen soll um diese Frage zu beantworten. Das Arbeiten in einer asiatischen Kultur ist sehr unterschiedlich von der in der westlichen Welt. Da gibt es tausend Unterschiede, manche sind groß, manche klein. Manchmal ist es ein Vorteil, manchmal ein Nachteil. Ich beantworte die Frage mal langweilig: Einer der größten Unterschiede ist die Sprache. Ich musste für ein Projekt eine große Zahl an Lieferanten besuchen. Manche von ihnen zwei bis drei Mal in der Woche. Vor jedem Meeting musst ich über eine Stunde Wörter im Wörterbuch nachschlagen und selbst dann hatte ich nur eine ungefähre Idee davon, was ich sagen sollte und nach was ich fragen sollte oder konnte.

Water Calligraphy Gerät im Einsatz- Nicholas Hanna © Mathias Magg



In der DDR gab es eine florierende und kritische Kunstszene. Gibt es in China heute ähnliche Entwicklungen?

Zensur ist fester Bestandteil des Lebens hier. Die Chinesen haben raffinierte Wege entwickelt um ihre wahren Gedanken auszudrücken: Einen indirekten Schreibstil, Code-Wörter oder Bilder die indirekt auf Tabuthemen verweisen. Ein klassisches Beispiel ist der Ausdruck „river crab“, ein chinesisches Homonym , das u.a. „Harmony“ bedeutet. Das verweist auf die „Harmonie-Doktrin“ der Regierung, die abweichender Meinungen unter dem Deckmantel des sozialen Fortschritts unterdrückt.

Nicholas Hanna sorgt immer wieder für ungläubiges Staunen © Mathias Magg

Hast du selbst Erfahrungen mit der chinesischen Zensur gemacht?

Mein „Water Calligraphy“ Projekt sollte auf einer Ausstellung präsentiert werden, die von der Regierung veranstaltet wurde. Diese Entscheidung wurde dann überprüft und das Projekt als zu riskant eingestuft, weil sie nicht wussten, was ich schreiben werde (ich hatte beabsichtigt aktuelle Regierungsstatements zu schreiben). Sie haben mir nicht erlaubt das Kalligrafiegerät dort zu zeigen, aber ich konnte es dann zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort nachholen.

Mehrere elektrisch gesteuerte Drüsen erzeugen das Schriftbild, in Abhängigkeit der Bewegung des Rades © Mathias Magg


Was ist die Geschichte hinter dem „Water Calligraphy“ Rad?

Die Inspiration kommt aus dem Beobachten von Chinesen, die Wasserkalligrafie in vielen Parks in und um Peking betreiben. Ich hatte bereits eine tiefe Bewunderung für die Schönheit und Eleganz der chinesischen Sprache, aber es auf diese Weise im Park geschrieben zu sehen war besonders fesselnd für mich. Ich mag auch den Aspekt der Zwecklosigkeit im Akt des Schreibens mit Wasser. Es trotzt dem Hauptzweck des Schreibens: etwas Dauerhaftes zu schaffen, etwas festzuhalten und Gedanken und Informationen zu übertragen. Es gibt eine besondere Schönheit des Wasserschriftbildes und wie es sich verändert, wenn das Wasser verdunstet.

Nicholas Hanna schreibt während des Fahrens auf seinem Notebook die Botschaften, die sogleich hinter ihm auf die Straße geschrieben werden © Mathias Magg


Mit deinem “Water Calligraphy” Rad kannst du innerhalb kurzer Zeit sich selbst auflösende Botschaften an eine unbestimmte Menschenmasse übermitteln. Das perfekte Mittel um direkte Kritik zu äußern ohne gleich im Gefängnis zu landen?

Wir leben im Zeitalter der Videokamera und von CCTV. Nur weil etwas nicht beständig ist, heißt das nicht, dass man dafür nicht im Gefängnis landen wird.

Weniger ästhetisch, mehr praktisch sind die automatisch generierten Schriftzeichen © Mathias Magg


Wofür genau nutzt du denn das Gerät?

Die Hauptpassagen der Texte sind Regierungsbotschaften. Die Regionalregierung in Peking verbreitet Botschaften in der Stadt, um die Bürger aufzufordern sich zivilisierter zu verhalten. Bsp. „Um eine zivilisierte Gesellschaft zu erhalten: Sei ein zivilisierter Bürger“ (树文明新风 做文明市民). Diese Botschaften sind etwas charakteristisches, sie beschreiben die Mentalität eines Gebietes. Ich finde da gibt es ein kritisches Element, ein Element des Widerstandes im Akt der immer beständigen Wiederholung. Jedes Mal wenn du eine dieser dämlichen Botschaften wiederholst, wird die Idee dahinter banaler und wirkt bedeutungsloser.

Bürgernah und präzise: ein schön anzusehendes Kunstschauspiel © Mathias Magg


Urban, grün und mit Aussicht: der High Line Park in New York City

New York und seine Hochbahn: Eine schwierige Beziehung

Knapp 20 Jahre stand in New York eine ungenutzte Hochbahntrasse und verfiel zunehmend. Für viele New Yorker war die „The High Line“ genannte Bahnstrecke ein Schandfleck und keine urbane Sehenswürdigkeit. Alles also nur eine Frage der Zeit, bis die historische Strecke zum Abriss freigegeben würde? Weit gefehlt!

In einem weltweit einmaligen Projekt wurde die Strecke mit hohem Aufwand neu designt und für Spaziergänger zugänglich gemacht. Es entstand ein spektakulärer Park.

Zugang und Aussichtsplattform Gansevoort / Washington Street


“The High Line”: die neue Attraktion in NYC

Jetzt ist New York um eine Attraktion reicher, trotz oder gerade weil die faszinierende urbane Atmosphäre nach wie vor zu spüren ist.

Viele New Yorker nutzen den neuen, speziellen Park für Spaziergänge oder zum Joggen. Ganz West-Manhattan scheint von der neuen Sehenswürdigkeit zu profitieren: Die Stadtverwaltung New Yorks registriert entlang der Strecke überdurchschnittlich viele Neubauten und umfassende Renovierungen.

23. Straße Blickrichtung Westen Richtung Hudson River © Iwan Baan


“The High Line”: der Park mit besonderer Geschichte

Dass neben den aufgeständerten U-Bahn Passagen die amerikanische Weltmetropole auch über eine nicht für den Personenverkehr gedachte Hochbahn verfügte, haben heute die meisten Menschen vergessen. Beim Schlendern durch den Westen Manhattans muss die Hochbahnpassage unweigerlich auffallen: Über gut 2 km Stadtstrecke erstreckt sie sich zwischen Gansevoort und 30. Straße. Zwischen 1934 und 1980 fuhren Güterzüge entlang dieser Strecke und stellten die direkte Versorgung von Fabriken und Großmärkten sicher.

Radial Bench, lange Holzbank entlang des Fußweges über einen kompletten Block hinweg, zwischen 28. und 29. Straße, Blickrichtung Süden © Iwan Baan


1970er Jahre: das Ende des Güterverkehrs auf Schienen in NYC

Im Laufe der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ersetzte der flexiblere Lastwagenverkehr jedoch die Güterzüge und die „High Line“ wurde stillgelegt.

Bis 1999 wurden einzelne Teile der ursprünglich 21km langen Strecke abgerissen. Ein kurzes Teilstück blieb aber erhalten und verwandelte sich innerhalb kurzer Zeit in eine von zahlreichen Pflanzen bewachsene, brachliegende Grünfläche.

Der perfekte Ort zum Sonnen und Entspannen!

Die Idee zum “The High Line” Park kam aus der engagierten Bevölkerung

Die Gruppierung „Friends of The High Line“ trieben den Vorschlag die Zugstrecke in einen aufgeständerte Grünanlage zu verwandeln voran. Die Idee: Den einmaligen Charakter der Strecke erhalten und gleichzeitig eine Entspannungsoase entstehen lassen. Fünf Jahre später wurde der Umbau der ehemaligen Bahnstrecke in einen Fußgängerpark beschlossen. Ende 2009 wurde das erste der drei Teilstücke für die begeisterte Öffentlichkeit freigegeben. Mitte 2011 folgte das Zweite.

Aufsicht "The High Line": ein beliebter Ort für Spaziergänger und Jogger


 International renommierte Designer arbeiteten zusammen

Hauptverantwortlich in der langen Liste der beteiligten Designer sind James Corner Field Operations, Diller Scofidio + Renfro und der Bepflanzungsexperte Piet Oudolf (bekannt durch Projekte in Deutschland und auf der Biennale 2010 in Venedig). Das Design des spektakulären Parks ist vortrefflich gelungen. Das Design-Team beging nicht den Fehler, die urbane Atmosphäre der Anlage durch ein kühles Hochglanz- Design zu ersetzen. In der Zeit, in der die Bahnstrecke brach gelegen hatte, war die zugewucherte Strecke eine geheime Attraktion New Yorks geworden.

Falcone Flyover, Aufsicht abends, 26. Straße, blickrichtung Süden © Iwan Baan


Geglücktes Bepflanzungskonzept

Das Team setzte konsequenter Weise auf Ruderalpflanzen, also Gewächse, die nach der Zeit der Stilllegung wucherartig von der Strecke Besitz ergriffen hatten. Nur eben mit dem feinen Unterschied, dass die Pflanzen nun in einer strukturierten Anordnung für angenehme Atmosphäre sorgen. Der Charakter der stillgelegten Bahnstrecke bleibt dadurch erhalten und vermittelt neben Entspannung auch einen Hauch von Geschichte.

Der The High Line Park ist täglich von 07-19 Uhr für Besucher geöffnet und über neun extra konstruierte Zugänge erreichbar.

Chelsea Thicket, mit Bäumen und Büschen dicht bepflanztes Gebiet zwischen der 20. und 22. Straße Blickrichtung Nord © Iwan Baan

Young Art @ Spotlight: Pop Art von Tutu aus Berlin

Die zweite Künstlerin die wir euch im Rahmen unserer neuen Reihe “Young Art @ Spotlight” vorstellen möchten ist Tutu aus Berlin.

Die Künstlerin.

Der Name Tutu mutet ein wenig afrikanisch an, geht aber auf den früheren Sprachfehler des Bruders der Künstlerin zurück, der statt Ute immer Tutu sagte. Ihre Begeisterung für bildende Kunst geht auf ihre Kindheit zurück, in der sie häufig Bilder kopierte, die ihr besonders gut gefielen. Im Erwachsenenleben angekommen blieb neben Beruf, Ehe, Kindeserziehung und spätere Elternpflege wenig Zeit für ihre Passion: das Malen. Umso stärker flammte ihre Leidenschaft vor Kurzem wieder auf, als sie durch Zufall auf Keith Harring stieß. Sein Werk beeindruckte und beeinflusste sie derart, dass sie selbst wieder zu Bleistift, Pinsel und Farbe griff und seit geraumer Zeit höchst produktiv in ihrer Küche (eine eigene Malwerkstatt gibt es bis dato leider noch nicht) Pop-Art Bilder kreiert. Neben Kunst- und Pop-Art-Fans begeistern sich vor allem Kinder für die farbenprächtigen Werke von Tutu. Nachdem sie bereits ein Buch für krebskranke Kinder produzierte, arbeitet sie gerade an einem Kinderbuch über ihre Heimat Berlin Kreuzberg.

Liebe der Frauen © Tutu


 Das Werk.

„Thats life“ besteht aus elf Einzelbildern offenbar ohne Bezug zueinander. Zehn der kleineren Einzelbilder umrahmen das mittige Hauptmotiv. Dieses wiederum ist dreigeteilt: Die untere Hälfte bildet einen Kreisausschnitt der Erde ab, an derem unteren Rand zahlreiche Arme mit ausgebreiteter Handfläche in die Höhe ragen. Mittig steht eine sich bewegende, geflügelte blaue Figur. Der Himmel über der Erdkugel ist in zwei Hälften geteilt: eine hellblaue Seite rechts mit kleinen Wolken, drei fliegenden Figuren und einer lachenden gelben Sonne in der oberen Ecke und in eine dunkelblaue Seite links mit einem freundlichen Mond, gelben Sternen und zwei fliegenden Figuren.

 "That's life" © Tutu


Das Werk.

Die umliegenden zehn rechteckigen Motive bilden unterschiedliche Szenarien ab, unter anderem eine Figur, die sich gegen ein stacheliges Insekt zu Wehr setzt, ein von leuchtend roten Herzen umgebenes Liebespaar, fliegende Fische oder zwei Menschen die sich voneinander abwenden. Die Tag- und Nachtdarstellung des Hauptmotivs in Kombination mit der Dynamik der fliegenden Figuren und auch das Bild eines sommerlich grünen Baumes und die winterlich Blätter-lose Variante diagonal gegenüber, geben das Grundthema des Bildes vor: der Kreislauf des Lebens. Die äußeren zehn Bilder scheinen dabei verschiedene Phasen des Lebens widerzuspiegeln.

"That's life" © Tutu


Das Hauptmotiv.

Das Hauptmotiv hingegen richtet den Blick verstärkt auf das große Ganze. Die fliegenden Figuren umgarnen die Hauptfigur in der Mitte. Diese steht einsam im Mittelpunkt, jedoch spürt man, dass sich dies bald ändern könnte. Welche Figur sich aber zu ihr gesellen wird, ist noch nicht erkennbar. „Vom Suchen und Finden“? Traurig erscheint hingegen die Tatsache, dass es keine Rolle spielt in welche Richtung die Hauptfigur sich entwickelt, egal ob links oder rechts, sie befindet sich auf dem höchsten Punkt und geht auf jedem Fall einem Abstieg entgegen. Vielleicht sollte man diesen immer gleichen Zyklus durchbrechen und doch allein weitergehen?

Hauptmotiv von "That's life" © Tutu


Das sagt Tutu.

„That’s life“ zeigt eigentlich nur meine Gedanken zum Thema “Leben”, “Liebe” und “Sterben”. Das große mittlere Bild symbolisiert das Loslassen. Liebe ist vergänglich. Fische: Man muss sich mal etwas trauen um etwas zu erreichen und sich weiterentwickeln. Vogel: Abstürzen kann jedem passieren. Menschen die versuchen aus ihrem Schneckenhaus zu kommen. Oben links: Man muss sich manchmal biegen um nicht gepiesackt zu werden. That’s life.
Normalerweise erkläre ich keine Bilder, die Betrachter können sich ihre eigenen Gedanken machen. Sich in den Bildern wiederfinden und dem Bild eine eigene Bedeutung geben. Vielleicht sehen sie Dinge ganz anders. Für mich ist es Klasse wenn Katze und Hund entdeckt werden. Diese Beiden sind in jedem meiner Bilder versteckt. Der Hund heißt Micky und ist meiner. Die Katze namens Mimmi gehört meiner Schwester.”

"Berliner Luft" © Tutu



New Street Art: Urbanes Stricken

Der neue Trend am Street-Art Himmel

Bunt eingestrickte Fahrräder, Statuen in ungewöhnlichen Stoffkleidern, Brückenpfeiler, die überdimensionale Hausschuhe tragen… Mit Zufall hat dieses neuartige Phänomen nur wenig zu tun. Der Trend heißt “Yarnbombing” (engl. “yarn” für “Garn”) oder auch “Urban Knitting” (engl. “knitting” für “stricken”). Durch die globale Vernetzung im 21. Jahrhundert hat sich das urbane Stricken in Windeseile auf dem gesamten Erdball verteilt, sodass heute schwer zu sagen ist, wo der Trend tatsächlich seinen Ursprung fand. Eine initiatorenähnliche Rolle wird in zahlreichen Internetforen immer wieder der Texanerin Magda Sayeg zugeschrieben. Verbindlich festhalten lässt sich lediglich, dass sie derart erfolgreich zu sein scheint, dass sie es sich leisten kann Presseanfragen konsequent zu ignorieren.

Street Art Urban Knitting © <a target="_blank" data-mce-href="http://www.flickr.com/photos/twilight_taggers/" href="http://www.flickr.com/photos/twilight_taggers/">Twilight Taggers</a><br data-mce-bogus="1">


Wie bei Trends üblich, entwickeln sie sich weiter und schließlich werden aus diesen Weiterentwicklungen neue Trends. Währenddessen Urban Knitting klassische Street-Art ist, die nicht zwingend politisch motiviert ist, verfolgt die Weiterentwicklung “Guerilla Knitting” konsequent politische Ziele. Ein anonymes Mitglied der Guerilla-Knitting Gruppe “Fluffy on Tour” hat uns Rede und Antwort gestanden.

Ein Gespräch über alternative Protestformen, skurrile Erlebnisse und das Verhältnis von Kunst und Protest.


Köln am 11.06.11 © Strick, Michael Knittermeier & Strickmaus
 
Du bist Mitglied einer Strick-Guerilla… Was hat man sich darunter vorzustellen?

Der Begriff „Guerilla“ ist dieVerkleinerungsform des spanischen „guerra“ („Krieg“). Beschrieben wird damit auch eine bestimmte militärische Taktik, welche wir nun mit dem Stricken verbinden! Wir sind eine selbstständige Gruppe, außerhalb unserer „Einsätze“ nicht als Guerilla-StrickerInnen zu erkennen, werden häufig von vielen Bürgern und Bürgerinnen unterstützt und wir sind mobil, sowie flexibel. Ein weiteres Merkmal dieser Taktik ist übrigens die Effektivität! Wir sind eine Mitmach-Strickguerillagruppe! Wir transportieren klare Botschaften (an jedem Banner hängt ein Infozettel) und nutzen das Handarbeiten als Intervention. Wir stricken gegen Atomkraft auf der ganzen Welt und regional nutzen wir das Stricken als Intervention.


Holy Knit Germany (Zugspitze) im August 2011 © Yaniza

Ihr strickt um etwas anzuprangern. Warum habt ihr diese Form des Protestes gewählt?

Graffiti hat seine überraschende, irritierende Wirkung verloren und wird schnell negativ wahrgenommen, da es häufig Eigentum zerstört.  Wolle aber löst positive Assoziationen wie Wärme, Geborgenheit und Gemütlichkeit aus. Aus diesem Grund hinterlassen Objekte von ”Fluffy on tour” bei dem Ein oder Anderen sogar ein Schmunzeln.

Wo kommt das Guerilla-Knitting her? Gibt es Vorbilder?

Es ist schwierig, eine Jahreszahl, eine Person, oder eine Gruppe dafür zu nennen, da sich diese Bewegung aus verschiedenen Vorläufern des aktivistischen Strickens entwickelte! Im Jahre 2002 benutzte z.B. der Calgary`s Revolutionary Knitting Circle beim Welt-Erdöl-Kongress ein gestricktes Netz, zum aufhalten eines Militärkonvois.

Welche Rolle spielt Kunst und schönes Aussehen der gestrickten Werke bei euren Aktionen?

Politische und künstlerische Aspekte sind bei uns gleichwertig!

Was war die bisher beste/erfolgreichste Aktion?

Die beste Aktion war das Umstricken der 24 Uhren im Düsseldorfer Zeitpark.


01.10.11 Neuss © Fluffy on tour by Strick

 Was sind zukünftige Projekte?

Es gibt verschiedene neue Projekte, über die ich jedoch aus verständlichen Gründen nichts sagen kann, wer jedoch mitstricken will, oder Ideen hat, wofür/wogegen wir stricken können, kann sich per Email (fluffy-on-tour@gmx.de) bei uns melden!

Schon mal Ärger bekommen? Wie lange hängen deine Werke für gewöhnlich?

Wir wurden schonmal gebeten, die Wollobjekte wieder abzuhängen, aber richtig Ärger haben wir noch nie bekommen. Allerdings mag das auch an den Uhrzeiten liegen, wenn wir die Sachen aufhängen (sehr früh ), da sind nicht viele Leute unterwegs.

Dein skurrilstes Guerilla-Knitting Erlebnis?

Ich und „Michael Knittermeier“ befestigten gerade ein Wollobjekt gegen die Schließung eines Waffelladens in der Düsseldorfer Altstadt, als eine Frau zielstrebig auf uns zu kam. Wir dachten, nun würden wir Ärger bekommen, aber sie fragte nur nach dem Burgplatz und ging dann wieder. Fast so, als wäre es ganz normal, dass Laternen früh morgens eingestrickt werden!

Habt ihr Kunstprojekte geplant, in etwa wie Magda Sayeg?

Ich habe schon mal zusammen mit anderen Studenten ein „Strickgraffiti macht Schule“ Projekt veranstaltet. Vielleicht werde ich so etwas nun häufiger machen. Wichtig für uns ist jedoch, dass wir unser Projekt nicht kommerzialisieren wollen!

Die perfekte Illusion: Pop-Out Art

Perfektes Spiel mit räumlicher Wahrnehmung

Der flüchtige Blick  auf ein Kunstwerk von Alexa Meade scheint sofort zu verraten, worum es sich handelt: Ein Bild, das man in dieser Form an der Wand eines guten Museums erwarten würde. Man könnte sich höchstens noch darüber streiten, was das Bild auszeichnet und aus welcher Zeit es wohl stammt, aber Gefallen daran findet sich wohl leicht: Kräftige Farben, harte Konturen und eine relativ grobe Technik scheint die Künstlerin auszuzeichnen. Doch der erste, flüchtige Blick täuscht. Ein jeder Betrachter ist vollkommen fasziniert, wenn er bemerkt sich einer Illusion, einer optischen Täuschung hingegeben zu haben. Es handelt sich nämlich keineswegs um ein zweidimensionales Bild aus dem Museum, sondern um einen real existierenden Menschen. Dieser wurde derart aufwändig bemalt, sodass er den Eindruck erweckt, sein eigenes, stilisiertes Porträt zu sein.

Ebenso wie der chinesische Künstler Liu Bolin, der sich so bemalt, dass er in seiner Umgebung zu verschwinden scheint, hat Alexa Meade eine besondere Gabe mit der räumlichen Wahrnehmung der Menschen zu spielen. Stellt man sich den Entstehungsprozess eines solchen Werkes vor, würde von einer peniblen Vorausplanung ausgehen, um den gewünschten 2D Effekt zu erzielen. Dem ist jedoch nicht so: Alexa Meades Gabe ermöglicht ihr den Effekt aus dem eigenen Kopf heraus zu reproduzieren. Manchmal schießt sie zu Beginn von ihren Modellen zwar Fotos, um ihre anfänglichen Gedanken festzuhalten, meist malt sie aber stundenlang aus dem Gedächtnis.

Spectacle © Alexa Meade


Wie funktioniert das?

Die Schwierigkeiten, die sie dabei zu bewältigen hat sind vielfältig und machen die geleistete Arbeit noch bewundernswerter: Manche Arbeiten dauern über zehn Stunden, was das Modell den äußeren Gegebenheiten wie z.B. Kälte in besonderem Maße aussetzt. Noch dazu ist die von ihr verwendete Acrylfarbe zwar speziell hautverträglich, jedoch trocknet sie durch die hohe Hauttemperatur wesentlich schneller als beim Anfertigen eines Bildes auf Leinwand. Jeder noch so kleine Pinselstrich muss daher sofort perfekt sitzen. Doch wie schafft sie es, aus dem Gedächtnis diesen täuschend echten Effekt zu erzeugen?

Um die Täuschung zu perfektionieren, integriert Alexa Meade nicht selten ihr Modell in eine Umgebung, sodass die Person selbst mit dem Hintergrund zu verschmelzen scheint. Wie sie das macht ist im Einzelnen nur schwer auszumachen. Generell malt sie aber nicht einfach bloß Gesichter an, sondern sie gestaltet mit den menschlichen Modellen vollkommen neue Werke und Motive. Schatten und Lichtverläufe werden dabei intensiver, die echten Schatten unter der Farbe versteckt und der zum Kunstwerk gehörige Schattenwurf imitiert. Dazu kommen noch Feinheiten, wie zum Beispiel das Bemalen der Zähne.

Blueprint © Alexa Meade


Die Idee stammt aus frühen Kindheitstagen

Alexa Meades Werdegang ist ebenso ungewöhnlich wie ihre Kunst: Würde man bei diesen Fähigkeiten ein Kunststudium erwarten, so hat sie tatsächlich Politikwissenschaften studiert und ist nur hobbymäßig im Keller ihrer eigenen Kunstform nachgegangen. Seit gut drei Jahren widmet sie sich Vollzeit der Kunst, die Grundidee hatte sie bereits in der frühen Kindheit: „Ich war so fasziniert von den Schatten von Bäumen, dass ich begann sie mit schwarzer Farbe auszumalen. Ich habe einfach das Gras angemalt. Danach habe ich mehr und mehr Dinge angemalt und daraus hat sich das entwickelt, was es heute ist.“

Die Welt wäre um eine Attraktion ärmer, hätte Alexa Meade diese Erfahrung nicht gemacht.

Die in den USA arbeitende Künstlerin wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr für eine Ausstellung nach Deutschland kommen. Genaueres steht noch nicht fest, für Vorfreude dürfte aber bereits jetzt gesorgt sein.

 Alexa Meade bei der Arbeit zu "Spectacle"

Produktdesign auf der Höhe der Zeit

Eine Vielzahl von Alltagsproblemen wurde in den letzten Jahrhunderten durch innovative Ideen gelöst. Allerdings steigt das Optimierungspotential des täglichen Lebens in den letzten Jahrzehnten rapide an, vor allem durch die rasante technische Entwicklung. Manche Probleme werden durch spontane Eingebungen einer einzelnen Person zufällig gelöst. Daneben gibt es aber auch Menschen, die sich hauptberuflich der Lösung alltäglicher Problematiken verschrieben haben. Arman Emami ist so jemand und das bereits erfolgreich seit vielen Jahren. In seinem Beruf ist er Erfinder, Designer und Künstler in einem.


Arman Emami

Herr Emami, Sie sind Produktdesigner. Wie wird man das?

Die Leidenschaft etwas Neues zu schaffen, war schon immer da. Es fiel mir extrem leicht und vielleicht auch gerade deshalb habe ich großen Spaß daran. Aber wie wird man nun Produktdesigner? Als Produktdesigner sollte man ein bisschen Techniker, Mathematiker, Künstler, Marketingfachmann, Handwerker, Tüftler und Erfinder sein. Einiges lässt sich lernen, anderes nicht. Dazu kommt eine große Portion Sinn für Ästhetik. Aber am wichtigsten ist, nie aufzuhören Kind zu sein. Kinder beobachten ohne Vorurteile, haben keine Ängste und sind extrem neugierig.

War ihr persönlicher Weg eher Zufall oder Passion?

Ich glaube generell nicht an Zufälle. Alles was passiert unterliegt dem Prinzip Ursache und Wirkung. Nur manchmal sind die Ursachen so komplex, dass uns die Phänomene zufällig erscheinen. Stellen Sie sich Wasser vor, das von einem Berg herunter fließt. Der Weg des Wassers ist automatisch der Weg des geringsten Widerstands. Das ist kein zufälliger Weg. Sie hätten sogar mit einem komplexen Simulationsprogramm den exakten Weg berechnen können, wenn Sie dazu alle nötigen Informationen hätten. Der Weg, den man im Leben nimmt, ist also nicht dem Zufall überlassen.


Die zusammelfaltbare Getränkedose "handycan" von Emami Design. Die vier Vertiefungen sind dem durchschnittlichen menschlichen Finger angepasst, wodurch eine angenehme Handhabung entsteht.

Von was halten wir Sie gerade ab? Wie sieht ein normaler Arbeitstag in ihrem Leben aus?

Die Arbeit des Produktdesigners hat keine bestimmte Uhrzeit… Manchmal kommen die besten Ideen nachts, manchmal beim Geschirrspülen. Gute Ideen liegen auf der Straße. Man findet sie auch im Bus, auf dem Frühstückstisch – überall. Man muss nur lernen, sie zu erkennen. Wichtig ist, die Probleme des Alltags nicht zu ignorieren, sondern zu lösen.

Es heißt immer hinter jedem Produkt steckt auch eine Geschichte. Welche Geschichte steckt hinter der „handycan“?

Die Menge der Dosen nach Partys passt nie in den Mülleimer, was tun? Zusammenfalten war schwer, daher kam die Idee.

2012 hat gerade erst begonnen. Was darf man von Ihnen erwarten dieses Jahr?

Ich arbeite gerade an einem Buch, in dem relevante Aspekte des Produktdesigns analysiert werden. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr damit fertig werden. Fragen Sie mich jetzt aber nicht wie das Buch heißen wird… Ich habe
zwar ein paar Ideen im Kopf, möchte mich aber erst entscheiden, wenn das Buch zu Ende geschrieben ist.

Radfahrer müssen nur noch einen Gegenstand mit sich führen. Angenehmer nebeneffekt: Die Fahrradpumpe ist ebenso wie das Fahrrad sicher verwahrt und kann nicht geklaut werden.

An was denken Sie jeweils bei den Begriffen ‘Fortschritt’, ‘Design’ und ‘Umweltschutz’?

An eine große Schnittmenge! Die Verantwortung der Produktdesigner gegenüber der Umwelt ist groß. Gerade bei hohen Stückzahlen summieren sich kleinste Mengen zu beachtlichen Zahlen. Zehn Gramm unnötig verwendetes Material macht bei einer Serienproduktion von 100.000 Stück einen Materialverlust von 1 t aus! Intelligentes Produktdesign berücksichtigt die Themen Energie und Materialaufwand. Die Aussage, dass heutzutage jede Menge Müll produziert wird, ist richtig. Leider sogar in zweifacher Hinsicht: Zum einen sind viele Geschäfte voll von Billig-Produkten, bei denen das Design mit eingespart wurde und die oft schon nach kurzem Gebrauch in der Mülltonne landen. Zum anderen gibt es teure Produkte, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst in Müll verwandeln – schlicht und einfach, weil sie plötzlich nicht mehr funktionieren.

Welches Projekt werden Sie wohl niemals umsetzen?

Robert De Niro sagte mal, er könne sogar ein Schnitzel spielen… (lacht)
Ich glaube, als Produktdesigner ist jedes Produkt eine neue Herausforderung. Es gibt aber auch Grenzen. Eine Interkontinentalrakete mit atomarem Sprengkopf würde ich sicherlich nicht gestalten.


Durch die geschickte Reduzierung des Volumens spart die "handycan" nicht nur die Transportkosten zur Recyclingstation, sondern auch Lagerkosten im Vorfeld.

In welcher Beziehung stehen aus Ihrer Sicht die Begriffe ‘Kunst’ und ‘Design’?

Design und Kunst sind sehr verwandt und doch so unterschiedlich. Das ist wie Sex und Liebe. Das eine geht nicht ohne das andere, aber manchmal eben doch. Beim Design gibt es viele Regeln und Einschränkungen und das widerspricht eigentlich dem Prinzip der Kunst. Man sagt zwar, „nach allen Regeln der Kunst“, aber ich bin der Meinung, dass es für Kunst keine Regeln geben sollte. Für Design schon. Es ist ein schmaler Grat.